Notizen aus meinem Tagebuch - Berlin Juli 1977


Meine Arbeit – meine Mal-Arbeit – sollte wie ein Fest gestaltet sein, wobei andere daran teilhaben können (sollten).
Teilhaben in dem Sinne, nicht passiv konsumierend, sondern aktiv mitgestaltend und mitbestimmend über Aufbau, Dauer und Verlauf des Festes.

Ich will meine Kraft, die sich in meiner Arbeit manifestiert, der allgemeinen Verflachung entgegenstellen.

Die Kunst ist für mich weg von den einsamen, onanistischen Freuden des Künstlers und hin zu all’ denjenigen, die bereit und offen sind, anzunehmen und wiederzugeben. Dann ist Kunst nicht mehr „die Kunst“ im alten Verständnis, sondern ein Transportmittel von positiven Kräften, die dahinwirken, verkrustete Strukturen innerhalb der Gesellschaft zu verändern.

Es hat keinen Sinn, permanent den Jetztzustand zu zeigen und anzuklagen.

Ich will den Menschen nicht den Atem rauben.

Es muss eine Form gefunden werden, die Reflexionen ermöglicht. Ähnlich wie Jazz-Musiker zusammenspielen, sollten sich alle Menschen finden in kleineren und größeren Gemeinschaften.

Dafür muss ich den Anderen als Subjekt behandeln, das heißt mit aller Rücksichtnahme und Ernsthaftigkeit.

Malerin und Modell sind gleich aktiv – das Modell hat aufgehört, nur Objekt zu sein.

Ich kann nicht mehr selbstherrlich agieren, das heißt deformieren, um der Wahrheit näher zu kommen. Meine Möglichkeiten, bezogen auf die Aktion, zeigen mir den „Augenblick der Wahrheit“. Ich stelle mich nicht mehr über das Dargestellte, sondern bin unmittelbar Betroffene, so wie das Modell. Auch kann ich mich nicht mehr, wie in früheren Zeiten, vom Dargestellten distanzieren – es gilt zu bekennen. So ist die Arbeit ein Teil von mir geworden, wahrscheinlich mein wesentlicher Teil.